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Mentoring – ein zukunftsfähiges Unterstützungsinstrument Zukunftskompetenzen

Soziales Mentoring kann Kindern und Jugendlichen Vertrauenspersonen an die Seite stellen, die sie ein wichtiges Stück ihres Lebens begleiten. Erfolgreiche Projekte zeigen, wie wichtig und zukunftsfähig diese Unterstützung ist – vor allem für sozial benachteiligte Kinder und Jugendliche.

Auch wenn wir es spätestens seit der PISA-Studie aus dem Jahr 2000 wissen, hat sich noch nichts Grundlegendes verändert: Der Bildungserfolg von Kindern und Jugendlichen hängt in Deutschland nach wie vor von der sozialen Herkunft ab – so stark wie in kaum einem anderen Land der OECD. Eine Studie des Stiftungsverbands für die deutsche Wissenschaft (siehe hier) hat dies 2021 erneut bestätigt: Gerade einmal 27 Prozent der Grundschülerinnen und -schüler aus einem Nichtakademikerhaushalt studieren später. 79 Prozent der Kindern von Akademiker:innen gehen später an eine Universität oder Hochschule.

Verlässliche Bezugspersonen für Heranwachsende in Risikolagen

Diese Bildungsungleichheit hat die Corona-Pandemie sehr deutlich offengelegt. Und erneut gezeigt, wie wichtig die besondere Unterstützung von Kindern und Jugendlichen in Risikolagen ist. Soziales Mentoring ist ein sehr erfolgreiches Instrument, um Bildungsteilhabe, Demokratieverständnis und Chancengleichheit zu fördern. Es bezieht sich nicht nur auf die Schule, sondern ebenfalls auf Inklusion in den Bereichen Kultur, Freizeit und Familie. Deshalb hat die Deutsche Kinder- und Jugendstiftung innerhalb des Programms AUF!leben – Zukunft ist jetzt. Mentoring als eine von acht Förderkategorien für Projekte bestimmt. In dieser Förderkategorie arbeitet die Deutsche Kinder- und Jugendstiftung mit vier starken Partnern im Bereich Mentoring zusammen: Ceno & Die Paten e. V. Köln, Mentor.Ring Hamburg e. V., LAGFA (Landesarbeitsgemeinschaft der Freiwilligenagenturen) Sachen-Anhalt e. V. und Eleven gGmbH München. Der Rahmen für die Förderkategorie wurde in enger Kooperation mit diesen vier Umsetzungspartnern entwickelt.
In der Kategorie Mentoring werden Angebote gefördert, bei denen ein:e Mentor:in ein Kind, einen Jugendlichen oder mehrere – die sogenannten Mentees – mindestens sechs Monate lang begleitet. „Aus der Resilienzforschung wissen wir, wie wichtig Bezugspersonen für Kinder und Jugendliche sind. In einer herausfordernden und instabilen Zeit wie der aktuellen, ist es für junge Menschen  wichtig, Ansprechpersonen zu haben, die Zeit haben, die verlässlich sind, die ihnen Anregungen geben und neue Horizonte eröffnen. Über Mentoringansätze können solche Bindungen und persönlichen Bezüge hergestellt werden. Gerade für Kinder und Jugendliche in schwierigen Situationen und Notlagen kann über Mentoring Sicherheit und Halt vermittelt werden“, erklärt Annekathrin Schmidt, Expertin für Persönlichkeitsbildung in der Deutschen Kinder- und Jugendstiftung.

Mentoringprojekte der Deutschen Kinder- und Jugendstiftung

Die Deutsche Kinder- und Jugendstiftung macht nicht zuletzt durch die Programme Wir stärken Mädchen und Technovation Girls Germany sehr gute Erfahrungen mit Mentoring. Mentorinnen aus Unternehmen begleiten Mädchen im Alter von 10 bis 18 Jahren. So lernen die Heranwachsenden weibliche Vorbilder kennen, die erfolgreich und in geschlechteruntypischen Berufen im Arbeitsleben stehen. Die Mentorinnen erzählen von ihrem persönlichen Werdegang und geben eigene Erfahrungen und Wissen weiter. Sie unterstützen die Mädchen auf ihrem Weg, ihre Zukunft selbstbewusst in die Hand zu nehmen.
Im Programm AUF!leben – Zukunft ist jetzt. kann Mentoring durch die Zusammenarbeit mit den vier Umsetzungspartnern bundesweit angeboten werden. Viele der geförderten Mentoringprojekte kommen über die Umsetzungspartner, einige haben sich aber auch direkt beworben. Die fachliche Basis bilden festgelegte Qualitätskriterien und allgemeingültige Standards des Mentorings. Darauf wird in der Information, Beratung und Qualifizierung von Trägern besonderer Wert gelegt.

Mentoring ermöglicht eine ganz besondere Beziehungsarbeit

„In dieser rastlosen Zeit ist es wichtig, die Krisen nicht allein als Krisen zu sehen, sondern auch als Lernanlässe zu nutzen. Das ist unser Ansatz im Programm AUF!leben: Wir unterstützen Kinder und Jugendliche dabei, die Folgen der Corona-Pandemie zu bewältigen und in Alltagsstrukturen zurückzukehren. Dabei wollen wir vor allem diejenigen erreichen, die in Risikolagen aufwachsen und besondere Unterstützung brauchen. Die 1:1-Beziehungsarbeit durch Mentoring ist dabei ein ganz wichtiger Ansatz“, erklärt Anne Rolvering, Geschäftsführerin der Deutschen Kinder- und Jugendstiftung. Und die Zahlen geben dem Ansatz des Programms recht: 2.200 Kinder und Jugendliche werden bisher von Mentor:innen begleitet. 97 Prozent dieser Heranwachsenden leben in sogenannten Risikolagen und 87 Prozent befinden sich gerade im Übergang von einem Bildungsort zum anderen, also zum Beispiel von der Kita in die Schule. Dabei zeichnen sich die Mentoringprojekte durch eine ganze besondere Qualität aus: „Die Mentoringprojekte in AUF!leben gehen meist über einen längeren Zeitraum und sind damit besonders nachhaltig. Durch die Länge dieser Zusammenarbeit entstehen ganz besondere individuelle und innige Beziehungen und die freiwilligen Mentor:innen haben ein sehr intensives Ehrenamt inne“, ergänzt Anne Rolvering.

Im Juni 2022 lud einer der Umsetzungspartner – Mentor.Ring Hamburg e. V – in Kooperation mit der Deutschen Kinder- und Jugendstiftung und den anderen drei Partnern Expert:innen aus Praxis und Wissenschaft zu der Tagung Zurück in die Zukunft mit Mentoring ein. Im Mittelpunkt der Online-Veranstaltung stand die Frage: Wie wäre es, wenn soziales Mentoring von Anfang an im Bildungssystem implementiert würde? Genaugenommen war die Frage bereits eine Vision, denn alle 80 Teilnehmer:innen waren sich darin einig, dass die Implementierung von Mentoring in unserem Bildungssystem längst überfällig und dringend notwendig ist. „Mentoring ist ein wirkungsvolles und nachhaltiges Instrument – über die aktuellen Krisen hinaus. Daher ist es wichtig, das Thema immer wieder auf die politische Agenda zu setzen. Denn nur mit den entsprechenden finanziellen und organisatorischen Strukturen kann die Vision eines selbstverständlichen Mentoring Wirklichkeit werden“, betont Jette Heger, Geschäftsführerin vom Mentor.Ring Hamburg e. V.

Mentoring aus wissenschaftlicher Sicht

Prof. Dr. Gisela Steins, Professorin für Allgemeine Psychologie und Sozialpsychologie an der Universität Duisburg-Essen und Dekanin an der Fakultät für Bildungswissenschaften, hat die Wirkung von Mentoring in verschiedenen Studien untersucht und unterstrich in der Diskussion, wie positiv sich Mentoring auf die soziale Entwicklung der Kinder auswirken kann und wie eng die sozial-emotionale und kognitive Entwicklung der Kinder zusammenhängen: „Die Kinder fassen Vertrauen, werden neugieriger, mitteilsamer, besser in Sprache und Mathematik und die Selbstwirksamkeit der Kinder steigt.“ Dem schloss sich auch Prof. Dr. Olaf    Köller, geschäftsführender wissenschaftlicher Direktor des Leibniz-Instituts für die Pädagogik der Naturwissenschaften und Mathematik und Professor für empirische Bildungsforschung an der Christian-Albrechts-Universität zu Kiel, an. Er verwies auf die bestehende Problematik, dass etwa 25 Prozent aller Kinder in Deutschland bis zum Ende der Grundschule den Anschluss verlieren. „Dieses Problem haben wir nicht erst seit der Covid-19-Pandemie, wir tragen es seit Dekaden mit uns herum. Wir brauchen kluge Lösungen, um damit umzugehen, denn wir sehen, dass Institutionen wie Kita und Schule das allein nicht schaffen. Und da kann Mentoring eine sehr wichtige Ergänzung sein. Es ist ein wichtiges Instrument, das es zu stärken gilt und das noch viel mehr Aufmerksamkeit benötigt“, sagt Prof. Dr. Olaf Köller.

Mit dem Programm AUF!leben – Zukunft ist jetzt. hat die DKJS gemeinsam mit ihren Partnern einen wichtigen Impuls für nachhaltige Ansätze des Mentorings geschaffen und Mentoringprojekte in ganz Deutschland gefördert – damit diese auch über die Laufzeit des Programms  hinaus, Kindern und Jugendlichen dieses wichtige Unterstützungsinstrument ermöglichen können.

https://www.auf-leben.org/wissen/zukunftskompetenzen/mentoring/