6. Hamburger Mentoringtag 2014

Freitag, 12. September 2014, 10.30 -18.00 Uhr
Körber-Stiftung, Kehrwieder 12, 20457 Hamburg

 

mentoringtag titelEntscheidend für gesellschaftlichen Aufstieg und Teilhabe ist in Deutschland immer noch das Elternhaus.

Die Bundesrepublik zeigt dabei im internationalen Vergleich eine äußerst geringe Durchlässigkeit hinsichtlich der sozialen Mobilität. Kinder und Jugendliche aus sozial benachteiligtem Umfeld, aus Nicht-Akademiker- oder Migrantenfamilien haben schon vor dem Berufseinstieg allein durch ihre Herkunft bedingt geringere Chancen.
Aber auch im Berufsleben gibt es Hürden, die Aufstieg verhindern, wie z.B. die so genannte „gläserne Decke“, die Frauen am nächsten Karriereschritt hindert. Bildungsgerechtigkeit – derzeit mehr Vision als Realität.

Durch Mentoring werden verlässliche Verbindungen aufgebaut, die hier unterstützend wirken können.

Verbindungen, über die sich die Mentees im besten Fall neue Erfahrungsräume, Qualifikationen und Strategien erschließen, die ihnen bei ihrer Persönlichkeitsentwicklung, auf ihrem Bildungsweg und auch später im Beruf behilflich sind.
Mentoringprogramme werden sowohl im gemeinnützigen Bereich, als auch an Universitäten sowie in Wirtschaftsunternehmen umgesetzt.

Mit Experten aus verschiedenen Disziplinen

Unter dem Motto „Mit Mentoring Aufstiegshürden überwinden" kamen in der Woche des bürgerschaftlichen Engagements am 12. September 2014 rund 135 Projektträger, Mentorinnen und Mentoren, Mentoringpraktiker aus Wirtschaft und Wissenschaft und Vertreter von Politik in der Körber-Stiftung, die den Mentoringtag seit vielen Jahren „beherbergt" und zusammen mit der Behörde für Schule und Weiterbildung unterstützt, zusammen. In zwei Podiumsdiskussionen und sechs Workshops mit ExpertInnen verschiedener Fachrichtungen über Gelingensbedingungen und Wirkungsmöglichkeiten von Mentoring diskutiert.

Bislang als eine Fachtagung nur für Non-Profit-Organisationen gedacht, wurde in diesem Jahr erstmals mit der Einladung von Mentoring-ExpertInnen aus Wirtschaft und Wissenschaft ein interdisziplinärer Fachaustausch über Mentoring eröffnet. Dr. Dorothee Ritter und Prof. em. Dr. C. Angelika Wagner vom Expertinnen-Beratungsnetz/Mentoring der Universität Hamburg, sowie Klara von Carlsburg als Teilnehmerin des Programms, berichteten von ihren positiven Erfahrungen mit der Methode zur Förderung des Berufseinstiegs von Akademikerinnen. Als Personalentwicklungsmaßnahme wird Mentoring in vielfältiger Weise zudem in Unternehmen umgesetzt - Personalleiter Dieter Schütt informierte hier von Mentoringprogrammen der Helm AG, aber auch unternehmensübergreifend als so genanntes „Cross-Mentoring" praktiziert. Grundlage für erfolgreiches Mentoring, so Gabriele Hoffmeister-Schönfelder, Vorsitzende der Deutschen Gesellschaft für Mentoring und Geschäftsführerin von „Kontor5", seien vor allem die Einhaltung von Qualitätstandards bei der Auswahl, dem Matching und der Begleitung der Tandems.

Fragen der Umsetzbarkeit und der Qualität von Mentoring waren auch Gegenstand der anschließenden sechs Workshops: Hier wurden praktische Marketingmaßnahmen zur Gewinnung von Männer für die Aufgabe als Mentor weitergegeben, Strategien für die Zusammenarbeit im Ganztag diskutiert, Kommunikationstools für die Arbeit mit Ehrenamtlichen erprobt, interkulturelle Fallstricke in der Mentor-Mentee-Beziehung besprochen und durch Rollenspiele sichtbar gemacht, Kriterien für eine gewinnbringende Begleitung von Jugendlichen durch MentorInnen im Bereich Übergang Schule-Beruf diskutiert und Qualitätskriterien für Mentoring spartenübergreifend erörtert.

Im Dialogblock 3 der Tagung standen abschließend Fragen der Durchlässigkeit von Gesellschaft und Bildungschancen durch Mentoring auf dem Programm, die u.a. zusammen mit Bildungssenator Ties Rabe unter der Moderation von Jörg Fischlin, Sprecher des Mentor.Ring Hamburgs e.V. diskutiert wurden. Johanna von Hammerstein, 1. Vorsitzende der BürgerStiftung Hamburg betonte dabei in Bezug auf die jüngsten Evaluationsergebnisse im stiftungseigenen Mentorprojekt „Yoldaş" vor allem den Zuwachs an Selbstbewusstsein und Bildungsinteresse der Mentees. Dass bürgerschaftliches Engagement hier einen großen Beitrag leistet, davon ist auch Ties Rabe überzeugt. Nicht zuletzt zeugt davon das neue Programm „Schulmentoren", das während der Diskussion von Projektleiter Alexej Medvedev kurz vorgestellt wurde und welches in Kooperation mit der Koordinierungsstelle Weiterbildung und Beschäftigung e.V. (KWB) und der Behörde für Schule und Weiterbildung (BSB) in den nächsten drei Jahren an 28 Schulen umgesetzt werden soll.

Zehn Mentorinnen und Mentoren aus Mitgliedsorganisationen des Mentor.Ring Hamburg e.V. wurden stellvertretend für das Engagement Vieler abschließend geehrt.

 

(Foto Flyer: Fotocredit - Kirsten Haarmann/kh-fotografie.com)