Das Engagement für Flüchtlinge verstetigen, Integration ermöglichen - mit Patenschaften und Mentoring

Eine gemeinsame Erklärung von sechs regionalen Mentoring- und Patenschafts-Netzwerken zur langfristigen Absicherung notwendigen Bürgerengagements angesichts der Flüchtlingskrise, 7. Oktober 2015

Hunderttausende Freiwillige arbeiten derzeit bei der Versorgung der Flüchtlinge mit. Die Hilfsbereitschaft ist enorm – und sie muss es auch bleiben. Denn das Land steht vor einer Jahrhundertaufgabe. Viele Fremde sind zu integrieren. Ohne eine aktive Bürgergesellschaft wird das nicht gelingen. Hunderttausende werden künftig nicht nur als Spontanhelfer gebraucht, sondern als Freiwillige mit einem langen Atem. Über Jahre hin gilt es, Kinder etwa beim Spracherwerb zu unterstützen oder Familien das Ankommen im Alltag zu erleichtern.

Patenschaften und Mentoring müssen ein zentrales Format sein, um diese langwierige Unterstützung leisten zu können. Seit vielen Jahren beweisen entsprechende Projekte und Programme im ganzen Land: Patinnen und Mentoren können Bildung, Teilhabe und Inklusion erfolgreich fördern – und das auch in anspruchsvollen Feldern der sozialen Arbeit. Selbst bei Kindern und Jugendlichen mit erheblichen sprachlichen, sozialen und gesundheitlichen Entwicklungsrisiken hat sich der Patenschaftsansatz bewährt. Erste Erfahrungen mit Kindern aus geflüchteten Familien bestätigen die Wirksamkeit.

Auch gibt es ein großes Potenzial an Freiwilligen, das zu nutzen ist. Eine repräsentative Umfrage vom Juni 2015, durchgeführt von infratest dimap im Auftrag des Deutschen Kinderhilfswerks, ergab: 50 Prozent der Bundesbürger/innen können sich ein ehrenamtliches Engagement für ein Flüchtlingskind in Form einer Patenschaft vorstellen. Noch aber sind nur drei Prozent bereits in einer solchen Rolle aktiv. Für die Autoren der Studie liegt das daran, dass eine Infrastruktur fehlt, die Engagementwillige aufnehmen könnte.

Die sechs unterzeichnenden regionalen Netzwerke fordern Bund und Länder deshalb auf, bei ihren Hilfsprogrammen den Patenschaftsansatz zu berücksichtigen und dabei auf bestehende Strukturen zurückzugreifen. Etliche Vereine und Träger, die über jahrelange Erfahrung verfügen, stehen bereit. Sie können bei der Ausgestaltung der Programme ihre Expertise einbringen und für eine gute Umsetzung sorgen. Dazu gehört eine professionelle hauptamtliche Koordination. Sie muss angemessen ausgestattet sein, um sicherzustellen, dass die freiwilligen Patinnen und Mentoren sorgfältig vorbereitet, fortgebildet und begleitet werden.

Schon jetzt setzen viele Initiativen und spontan Engagierte die Patenschaftsidee im kleinen Rahmen um - eine Hilfe von unschätzbarem Wert und oft von immensem Ausmaß. Allerdings gibt es erste Berichte von überlasteten Freiwilligen, die nach einiger Zeit an ihre Grenzen stoßen. Das verweist auf ein bekanntes Phänomen: Der hohe Einsatz Freiwilliger ist oft nicht von Dauer. Erst recht, wenn sie mit Überforderung alleingelassen werden, kann das zum Rückzug führen. Unter Umständen sind sie für ein weiteres Engagement verloren.

Freiwilligenarbeit ist eine Ressource, die nachhaltig gepflegt werden muss. Soll sie langfristig eingesetzt werden, ist Anleitung und Begleitung notwendig. Eine Koordination kann die Ehrenamtler vor Verausgabung bewahren und im Übrigen auch dafür sorgen, dass die Kooperation mit anderen Hilfeleistungen und der Kinder- und Jugendschutz gewährleistet ist. Die unterzeichnenden regionalen Netzwerke bieten daher an, informelle Initiativen und Einzelpersonen mit ihrer Expertise zu unterstützen. Damit Beratung und Wissenstransfer möglich werden, sollten Bund und Länder regionale Koordinierungsstellen einrichten und finanziell fördern.

Deutschland erweist sich gerade als ein Vorreiter der Willkommenskultur. Jetzt kann es die Weichen stellen, damit das Land auch Vorreiter einer langfristigen ehrenamtlichen Begleitkultur wird, die Integration ermöglicht. Das Engagement der Patinnen und Mentoren kann einen wesentlichen Beitrag leisten, damit die geflüchteten Menschen zu einem Teil des Landes werden.

Kontakte:

- Netzwerk Berliner Kinderpatenschaften e.V.,Florian Stenzel, 0172/ 599 43 48, Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein!, www.kipa-berlin.de
- Mentor.Ring Hamburg e.V., Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein!
- Netzwerk AusbildungsPatenProjekte NRW, Katharina Wehner, 0208/ 970 6818, Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein!
- Patenschaftsnetzwerk Halle, c/o Freiwilligen-Agentur Halle, Karen Leonhardt, 0345/ 470 1355, Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein!www.patenschaften-halle.de
- Netzwerk Münchner Schülerpaten, Michèle Rotter, 089/ 5998 9087-3, Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein!www.muenchner-schuelerpaten.de
Deutscher Kinderschutzbund Landesverband Baden-Württemberg e.V., Träger der Zentralen Koordinierungsstelle des Netzwerks Familienpatinnen und Familienpaten Baden-Württemberg, Tanja Stricker, 0711 / 24 28 18, www.netzwerk-familienpaten-bw.de